Hanns–Joachim-Friedrichs-Preis 2026 an Dunja Hayali und Sarah Tacke
Fotos: Hayali (c) ZDF/Klaus Weddig | Tacke (c) ZDF
Journalismus erlebt weltweit eine Phase von Umbruch und Aufruhr. Ende und Ergebnis sind nicht abzusehen. Neu ist, dass gleich in zwei deutschen Bundesländern eine Partei in Reichweite der Macht ist, die die Kündigung des Medienstaatsvertrags zu einem zentralen Wahlversprechen gemacht hat. Was bisher offensichtlich und selbstverständlich war – dass unabhängige, professionell gemachte Information eine unverzichtbare Säule der Demokratie ist – wird nicht mehr von einer gesicherten Mehrheit geteilt. Immer mehr Menschen glauben, dass Wahrheit nur in den Weiten des Netzes zu finden ist. Auf Fakten basierender Journalismus steht unter nie dagewesenem Druck.
Daher hat die Jury des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises für Fernsehjournalismus unter dem Vorsitz von Sandra Maischberger ihren Fokus auf besondere Leistungen gerichtet, die der Meinungs- und Pressefreiheit unter diesen Bedingungen dienen.
Für ihre Beiträge aus sehr unterschiedlicher Perspektive werden in diesem Jahr zwei Journalistinnen ausgezeichnet:
Sarah Tacke,
Leiterin der ZDF-Redaktion Recht und Justiz,
und an
Dunja Hayali,
ZDF-Moderatorin von „heute journal“ und „Morgenmagazin“.
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Hanns-Joachim Friedrichs Sonderpreis 2026 an die Redaktion ZAPP
Seit 2002, beinahe einem Vierteljahrhundert, ist die NDR-Redaktion ZAPP ein zuverlässiger Beobachter und Kritiker des journalistischen Gewerbes.
Journalisten üben lieber Kritik, als dass sie sie einstecken. ZAPP lenkt Linse und Mikrophon auf die Wunden. Wenn Medienhäuser in der ganzen Republik die Vorwürfe des „Plagiatejägers“ Weber wiederkäuen, statt sie kritisch zu überprüfen und damit möglicherweise einer existenzvernichtenden Rufschädigung Vorschub leisten, wenn Umfragen zeigen, dass das deutsche Publikum der Berichterstattung über den Krieg in Gaza nicht mehr vertraut, wenn sich Klischees in Formulierungen und Bildauswahl schleichen, macht ZAPP das öffentlich. Von ZAPP kam frühe Kritik an einer – wie man es dort sah – teilweise unkritischen Berichterstattung über die Flüchtlingspolitik 2015/16 – und dann wieder andersherum, als Flüchtende nur noch als Masse und nicht mehr als Individuen, Einzelschicksale gezeigt wurden.
Wir brauchen eine solche Begleitung, besonders im „Fernsehen“ (auf welchen Kanälen und Plattformen auch immer), weil Fernsehleute sich oft unverstanden fühlen von den Kolleg:innen der schreibenden Zunft, die die Zwänge Beschränkungen unseres Handwerks nicht kennen - wie etwa den Druck im Studio, in Bruchteilen von Sekunden eine schlagfertige nächste Frage parat zu haben. Oder eine Geschichte zu erzählen, zu der bewegte Bilder fehlen. ZAPP kennt unsere Schwächen und Stärken von innen. Die Sendung wird ernst genommen, hält uns wach und selbstkritisch. Sie verdient die auch öffentliche Unterstützung des Hanns-Joachim Friedrichs Preises.
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Hanns-Joachim Friedrichs Förderpreis 2026 an Manuel Biallas
Der Förderpreis soll nach dem Willen der Jury Kolleginnen und Kollegen fördern, deren bereits vorliegende Arbeiten ihre herausragenden Qualitäten unter Beweis gestellt haben. Neben finanzieller Anerkennung soll er Aufmerksamkeit für junge Talente schaffen.
2026 geht er an Manuel Biallas, einen freien Journalisten beim NDR und Autor herausragender Dokumentationen und Reportagen. Er beschäftigt sich mit Themen wie Migration, sozialer Ungleichheit, Extremismus und Menschenrechten. Seine Filme und Texte, Ergebnisse gründlicher Recherchen, bleiben nah an Protagonisten, sind gut verständlich und auf Augenhöhe erzählt.
Seine 43-minütige NDR-Story „Die Lüge vom sozialen Aufstieg?“ (Frühjahr 2026) ist ein besonderer Höhepunkt seiner Arbeit.
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Hanns–Joachim-Friedrichs-Preis 2025 an Sophie von der Tann und Katharina Willinger
Fotos: von der Tann (c) BR/Konvalin | Willinger (c) BR/Moths
In diesem Jahr feiert der Verein zur Verleihung des Hanns-Joachim Friedrichs-Preises für herausragende Leistungen im Fernsehjournalismus sein 30-jähriges Jubiläum.
Der Vorstand der Jury, unter dem Vorsitz von Sandra Maischberger, gibt die Gewinner des Jubiläumsjahres bekannt. Die Verleihung findet am 4.12.2025 beim Westdeutschen Rundfunk in Köln statt.
Der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis 2025 geht zu gleichen Teilen an Sophie von der Tann, Korrespondentin im ARD-Studio Tel Aviv und an Katharina Willinger, Leiterin der ARD-Studios in Istanbul und Teheran.
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Hanns-Joachim Friedrichs Sonderpreis 2025 an Reporter ohne Grenzen
Die Welt verzeichnet zunehmend gezielte tödliche Angriffe gegen Journalisten während des Gaza-Krieges und in anderen militärischen Konflikten sowie einen immer stärkeren Druck auf die freie Berichterstattung. Und das nicht mehr nur in autoritären Staaten wie Russland oder China, sondern ebenfalls in vermeintlich demokratisch verfassten Gesellschaften. Dort gibt es zunehmend aggressive Zensurbestrebungen nebst einer immer offeneren Forderung nach Selbstzensur von Journalisten und Medien - sogar in einigen europäischen Ländern und neuerdings auch und besonders in den Vereinigten Staaten. Die konzertierten Angriffe auf die Presse- und Medienfreiheit verlangen die Stärkung von Organisationen, die sich der Verteidigung und Bewahrung dieser Freiheit verschrieben haben und tagtäglich für den Schutz von Journalist:innen und ihrer Arbeit einsetzen, oft unter großer persönlicher Gefahr. Dieses im wahren Sinn des Wortes lebenswichtige Engagement will die Jury im 30. Jahr des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises würdigen und vergibt ihn an die weltweit operierende Organisation „Reporter ohne Grenzen“.
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Hanns-Joachim Friedrichs Förderpreis 2025 an Borhan Akid
Der Förderpreis soll nach dem Willen der Jury nach Kolleginnen und Kollegen fördern, die in bereits vorliegenden Arbeiten ihre herausragende Qualitäten unter Beweis gestellt haben. Neben finanzieller Anerkennung soll er vor allem Aufmerksamkeit für junge Talente schaffen.
Borhan Akid (WDR) arbeitet als Journalist und Reporter für WDRforyou, das bekannte WDR-Online-Format mit Informationen und Orientierung für Geflüchtete und Zugewanderte in Deutschland. Er fiel in diesem Jahr besonders durch zwei herausragende Leistungen auf:
Er gestaltete und moderierte das Format „Danke, aber... 10 Jahre nach Merkels Versprechen“, ein einstündiges Gespräch zwischen ehemaligen Geflüchteten und Angela Merkel. Akid moderiert. Er weiß, worum es geht, ist selbst vor zehn Jahren aus Syrien nach Deutschland geflohen. Da konnte man über eine Stunde lang eine authentische Begegnung erleben zwischen Politik und den Menschen, deren Leben sie unmittelbar verändert hat. Eine Stunde, in der das Thema „Migration“ mal nicht als Problem behandelt wird.
Im selben Jahr dokumentierte Borhan Akid seine eigene Rückkehr nach Syrien, nach dem Sturz des Assad-Regimes, in dem er Filmemacher, Betroffener und Presenter gleichzeitig ist. Es gelingt ihm, dieses Dreieck uneitel und überzeugend zu zeichnen. Er versucht nicht, wenige Monate nach dem Sturz von Assad die Frage zu beantworten: Ist das jetzt gut oder wird es noch schlimmer? Akid lässt die Menschen erstmal aufatmen, reflektiert über das Exil, über seine eigenen Empfindungen zurück in der Nachbarschaft seiner Jugend. Über die zerrissene Generation der älteren Geflüchteten, die noch viel mehr in Syrien verhaftet sind und vor der Frage stehen: Gehen oder bleiben?
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Die Sendung der Preisverleihung 2025 können Sie hier anschauen:
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