HANNS-JOACHIM-FRIEDRICHS-PREIS
zu Drohungen aus den USA gegen Elmar Thevessen (ZDF)

Wir, der Vorstand des Vereins, der seit 30 Jahren den „Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis“ für Exzellenz im TV-Journalismus vergibt, mussten zur Kenntnis nehmen, dass Amb. Richard Grenell öffentlich fordert, dem ZDF-Korrespondenten Elmar Thevessen das Journalistenvisum zu entziehen. Er sei, so Grenell auf X, ein Feind der USA.

Grenell war während der ersten Trump-Administration Botschafter der Vereinigten Staaten in Deutschland. Er ist derzeit wieder im Weißen Haus tätig. 

Seine Vorwürfe entbehren jeder Grundlage. Vita und journalistische Leistung von Elmar Thevessen beweisen das Gegenteil. Er ist ein ausgewiesener Kenner, professioneller Beobachter und kritischer Freund der USA. Soweit seine Berichte Sachverhalte einordnen oder kommentieren, geschieht dies auf der Basis von Fakten, sorgfältig begründet.

Grenells Attacke wäre keiner Stellungnahme unseres Vereins wert, wäre sie nicht Teil einer Salve von Angriffen auf die Pressefreiheit, einem Kernelement der Trump-Kampagne zur Demontage der Demokratie. Ihr gilt es, sich entgegenzustellen.

2023 ging der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis zu gleichen Teilen an Elmar Thevessen und an Ina Ruck, langjährige Korrespondentin der ARD in Moskau. Es ging der Jury darum, zu würdigen, wie sich herausragende Berichterstattung unter extrem unter-schiedlichen Bedingungen bewährt. Damals hielten wir es für undenkbar, dass sich die Haltung einer amerikanischen Administration dem putinschen Verständnis von Pressefreiheit annähern würde. 

Angesichts der jüngsten Äußerungen aus Regierungskreisen müssen wir fordern, was selbstverständlich sein sollte: ein uneingeschränktes Bekenntnis der US-Regierung zur Berichterstattungsfreiheit als Kern der „Freedom of the Press“ des 1. Zusatz-artikels der amerikanischen Verfassung. Dazu gehört zwingend das Recht auf Aufenthalt in den USA für Vertreter internationaler Medien. Es darf nicht nach Kriterien von Unbotmäßigkeit oder Folgsamkeit entzogen werden. Schon vorlaute öffentliche Überlegungen aus Regierungskreisen in dieser Richtung verletzen die Pressefreiheit und sind zu unterbinden. Es gilt, den Anfängen zu wehren. Sie sind schon weit gediehen.

Berlin, 16. September 2025

Sandra Maischberger   Claus Kleber   Volker Skierka   Mathias Werth