Preisträgerinnen: Dunja Hayali und Sarah Tacke

Porträts:Dunja Hayali, Sarah Tacke
Dunja Hayali | Sarah Tacke
Fotos: Hayali (c) ZDF/Klaus Weddig | Tacke (c) ZDF

Preisträgerin Dunja Hayali

Seit vielen Jahren wächst in der Öffentlichkeit Misstrauen gegen „Mainstream“-Medien, während sich giftiger Einfluss der US-Plattformen in unsere Kultur professionell „kuratierter“ Information frisst.

Social Media wurden eine mächtige Alternative zu unserem klassischen Konzept. Wer in dieser Zeit seinen Berufsweg begann, konnte ohne sie nicht mehr reüssieren. Seitdem verschwimmen Grenzen zwischen Privatem und Professionellem. Dunja Hayalis Hund schafft es ins „heute-journal“, Tätowierungen werden auf Instagram nicht verborgen. Wer es braucht, kann sich ein Bild davon machen „was das für eine ist“ und schiebt sie in die Schublade, die in seiner Welt für „solche Typen“ vorgesehen ist. Das passiert noch mehr, wenn Dunja Hayali auf Rechtsaußen-Demonstranten, „Querdenker“ oder Salafisten zugeht, Fragen stellt und die Aggressionen, denen sie dabei ausgesetzt ist, öffentlich macht – so roh sie auch sein mögen. Ihre Fragen werden nicht beantwortet, stattdessen wird die Fragende angegriffen. Bei Drehs für Reportagen entstehen Bilder nicht von Dialog, sondern von Konfrontation, und es kann der Eindruck entstehen, dass es nicht mehr um die Kundgebung geht, sondern um die Reporterin. Damit muss sie zurechtkommen – wie auch mit der Kritik, die damit einhergeht. Seit mehr als einem Jahrzehnt steht sie aufrecht in der nie endenden Serie von „Shitstorms“, die über sie hereinbrechen –voller Hass und Gewaltfantasien.

Und dann ist sie, im Studio von „heute-journal“ und „ZDF-Morgenmagazin“, wieder die professionelle Moderatorin, die bestens vorbereitet in alle Richtungen kritisch fragt, bei der Sache bleibt, und gerne auch mal lacht - selten, dass sie ausrutscht. Bei ihren Doku-Reportagen, beispielsweise zuletzt über Missstände bei der Deutschen Bahn, erlebt man, wie sie auf Menschen zugeht, Vertrauen weckt und Dinge erfährt, die bei den Interviewten nicht auf dem Sprechzettel standen.

In einer Zeit, in der Journalistinnen und Journalisten zeitgemäße Wege suchen, die Ergebnisse ihrer Arbeit an die Öffentlichkeit zu bringen, liefert Dunja Hayali ein mutiges, erfolgreiches Modell.

 

Preisträgerin Sarah Tacke

Die Leiterin der ZDF-Redaktion „Recht und Justiz“ ist eine promovierte Juristin und wurde dann zur Vollblut-Journalistin. Sie hat Jura studiert, um Journalistin zu werden. Das erweist sich als segensreiche Kombination. Jurist:innen lernen, noch aus den komplexesten Vorgängen die (meist wenigen) Elemente herauszugreifen, auf die es ankommt, und hinter lautstark vorgetragenen Argumenten die eigentlichen Interessen zu erkennen – Kernaufgaben auch des Journalismus. Das gilt auch für die Erfahrung, dass Menschen Dinge grundverschieden sehen und darüber streiten können. Wer als Anwältin nicht weiß, wie die Gegenseite tickt, wird auf Dauer nicht erfolgreich sein. Da begegnen sich Justitia und Journalismus.

Zuschauer spüren Kompetenz und Objektivität, wenn Sarah Tacke im Studio der ZDF Magazinsendungen und des „heute-journals“ die Rechtslage erklärt - bei so komplizierten Sachverhalten wie Abschiebung, Parteiverbot, künstliche Befruchtung und Leihmutterschaft oder die oft unbefriedigenden Strafverfahren wegen sexueller Gewalt. Der demokratische Rechtsstaat erfüllt seine Aufgaben mit den Mitteln des Rechts. So ist die Arbeit der Juristin Sarah Tacke politischer, aber nicht politisierender Journalismus.

Als sie für eine ZDF-Dokumentation über Sozialleistungen auf glaubwürdige Hinweise stößt, dass das System erheblichen Missbrauch erlaubt, geht sie der Sache nach und macht es öffentlich.

Die Quittung im Netz ist ein Shitstorm, in dem ihr vorgeworfen wird, sie führe Krieg gegen alle, die auf Hilfe des Sozialstaats angewiesen sind. Dass Missbrauch solcher Leistungen auch auf Kosten der tatsächlich Berechtigten geht, ist für diese Bühne zu komplex. Das ZDF hat den Sachverhalt ein weiteres Mal untersucht und steht zu dem Film und seiner Autorin.

Die Jury würdigt Sarah Tackes Beitrag zu Wahrheit und Klarheit im demokratischen Diskurs.

 

Sonderpreis: ZAPP

Gruppenfoto: Redaktion ZAPP
Redaktion ZAPP
(c) NDR/David Diwiak

Seit 2002, beinahe einem Vierteljahrhundert, ist die NDR-Redaktion ZAPP ein zuverlässiger Beobachter und Kritiker des journalistischen Gewerbes. 

Journalisten üben lieber Kritik, als dass sie sie einstecken. ZAPP lenkt Linse und Mikrophon auf die Wunden. Wenn Medienhäuser in der ganzen Republik die Vorwürfe des „Plagiatejägers“ Weber wiederkäuen, statt sie kritisch zu überprüfen und damit möglicherweise einer existenzvernichtenden Rufschädigung Vorschub leisten, wenn Umfragen zeigen, dass das deutsche Publikum der Berichterstattung über den Krieg in Gaza nicht mehr vertraut, wenn sich Klischees in Formulierungen und Bildauswahl schleichen, macht ZAPP das öffentlich. Von ZAPP kam frühe Kritik an einer – wie man es dort sah – teilweise unkritischen Berichterstattung über die Flüchtlingspolitik 2015/16 – und dann wieder andersherum, als Flüchtende nur noch als Masse und nicht mehr als Individuen, Einzelschicksale gezeigt wurden.

Wir brauchen eine solche Begleitung, besonders im „Fernsehen“ (auf welchen Kanälen und Plattformen auch immer), weil Fernsehleute sich oft unverstanden fühlen von den Kolleg:innen der schreibenden Zunft, die die Zwänge Beschränkungen unseres Handwerks nicht kennen - wie etwa den Druck im Studio, in Bruchteilen von Sekunden eine schlagfertige nächste Frage parat zu haben. Oder eine Geschichte zu erzählen, zu der bewegte Bilder fehlen. ZAPP kennt unsere Schwächen und Stärken von innen. Die Sendung wird ernst genommen, hält uns wach und selbstkritisch. Sie verdient die auch öffentliche Unterstützung des Hanns-Joachim Friedrichs Preises.

Förderpreis: Manuel Biallas

Porträt: Manuel Biallas
Manuel Biallas
(c) Javid Mozaffari Anari

Der Förderpreis soll nach dem Willen der Jury Kolleginnen und Kollegen fördern, deren bereits vorliegende Arbeiten ihre herausragenden Qualitäten unter Beweis gestellt haben. Neben finanzieller Anerkennung soll er Aufmerksamkeit für junge Talente schaffen. 

2026 geht er an Manuel Biallas, einen freien Journalisten beim NDR und Autor herausragender Dokumentationen und Reportagen. Er beschäftigt sich mit Themen wie Migration, sozialer Ungleichheit, Extremismus und Menschenrechten. Seine Filme und Texte, Ergebnisse gründlicher Recherchen, bleiben nah an Protagonisten, sind gut verständlich und auf Augenhöhe erzählt.

Seine 43-minütige NDR-Story „Die Lüge vom sozialen Aufstieg?“ (Frühjahr 2026) ist ein besonderer Höhepunkt seiner Arbeit.