Tom Buhrow und Lutz Marmor über den Preis

Porträt: Tom Buhrow und Lutz Marmor
v.l.: Tom Buhrow (Intendant WDR) und Lutz Marmor (Intendant NDR). [Bild: WDR/Herby Sachs; Bild: NDR/David Paprocki]

Es gibt einen berühmten Satz von Hanns Joachim Friedrichs, der zu seinem Vermächtnis geworden ist: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache“. Dieser Satz wird an Universitäten, Journalistenschulen und im Volontariat gelehrt, er ist für viele Journalistinnen und Journalisten zum Leitbild geworden. Hanns Joachim Friedrichs hat ihn in seinen Anfangsjahren als Journalist bei der BBC gelernt. Und noch einen zweiten Satz hat er bei der BBC verinnerlicht, wie er in seinem letzten großen SPIEGEL-Interview offenbarte: „to inform and to enlighten“, zu informieren und aufzuklären. Dieses Verständnis, so Friedrichs, habe ihn vor allerlei Dummheiten geschützt.

Aus beiden Sätzen sprechen Friedrichs Haltung und Anspruch: Die Haltung, sich auf die Kernaufgaben des Journalismus zu besinnen, auf Information, Kritik und Kontrolle. Und der Anspruch, unabhängig und unvoreingenommen über die Dinge zu berichten, den Zuschauerinnen und Zuschauern das vollständige Bild zu zeigen und ihnen so die Chance zu bieten, sich ihr eigenes Urteil zu bilden.

Mit diesem Selbstverständnis ist Hanns Joachim Friedrichs zum Vorbild für viele Kolleginnen und Kollegen auch im NDR und WDR geworden. Die Förderung eines Journalismus, der seinem Selbstverständnis folgt, ist uns als öffentlich-rechtlichen Sendern ein zentrales Anliegen. Als Intendanten haben wir daher gern die Schirmherrschaft für den Preis übernommen, der den Namen dieses großen Journalisten trägt.

Der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für Fernsehjournalismus zeichnet jährlich herausragende Leistungen aus. Dies können beeindruckende Reporterleistungen, investigative Recherchen oder kreative Projekte von Redaktionen sein. Entscheidend ist, dass sie von Hanns Joachim Friedrichs Haltung und Anspruch geprägt sind – aufklärend, unabhängig, unvoreingenommen, kritisch und glaubwürdig.

Der Förderpreis soll junge Kolleginnen und Kollegen ermutigen, dem Beispiel Hanns Joachim Friedrichs zu folgen. Mit ihm werden Journalistinnen und Journalisten geehrt, die sich noch keinen Namen, aber in ihrer journalistischen Laufbahn bereits mit hervorragenden Filmen, Recherchen oder Projekten auf sich aufmerksam gemacht haben.

Aus „Sehnsucht, mir die Welt zu erschließen“, sei er Reporter geworden, sagte Hanns Joachim Friedrichs kurz vor seinem Tod. Zusammen mit dem Verein zur Verleihung des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises möchten wir die Erinnerung an einen der bedeutendsten Journalisten des vergangenen Jahrhunderts lebendig halten und dazu beitragen, dass seine Neugier auch in Zukunft Nachahmer findet.